Augen_Blicke [1]



Einblicke in das Praktikantenleben bei Bunt statt Braun.

1. September :

Hallo an euch alle, die ihr das lest. Mein Name ist Jonas, ich studier‘ – wenn nicht grade Semesterferien sind – Geographie und Arabisch in Bayreuth und mache diesen September einen Monat Praktikum bei Bunt statt Braun, weil ich es einfach super finde, was die Menschen von BsB so auf die Beine stellen und ich gerne Teil davon sein möchte!

Und weil ich mir sicher bin, dass das noch ganz vielen anderen Menschen so geht, schreibe ich diesen Blog, über meinen „Alltag“ als Praktikant bei Bunt statt Braun, um einen Einblick zu geben, was so passieren kann und wie und wo motivierter und tatendurstiger mensch sich engagieren kann, wenn er oder sie das gerne möchte.


Am 1. September um 10 Uhr 30 morgens hat mein Praktikum in der Wilhelm-Busch-Straße mit einem einführenden, Überblick gebenden Gespräch mit Isabel, einer meiner beiden Praktikumsanleiterinnen oder Chefinnen ;), angefangen. Neben vielen Möglichkeiten diese Woche Einblicke  in das Vereinsleben und das Engagement mit und für Geflüchtete zu erhalten, sind auf jeden Fall Eigeninitiative, tolle Ideen und Begeisterung gefragt. „Wenn du was machen magst, mach!“ – eines der Mottos bei Bunt statt Braun, glaub ich.



2. September:

 

Die Wilhelm-Busch-Straße - ein Paralleluniversum und willkommene Phasenverschiebung in meinem Alltag

 

Heute Morgen um halb zehn bin ich wieder auf dem Weg zur Erstaufnahme. Es ist ein frischer sonniger Sommertag. Mein zweiter Tag als Bunt statt Braun-Praktikant. Mit einem Gefühl von Vorfreude und Aufregung sitze ich auf meinem Fahrrad Richtung Wilhelm-Busch-Straße. Ich bin heute extra etwas früher los, da zurzeit viel mehr Busse mit neuen Menschen kommen oder abfahren. Isabel hat mir gestern gesagt, dass das diese Tage normal ist. „Früher waren 2 Busse in der Woche schon viel, heute sind es vielleicht fünf oder sieben jeden Tag.“
Dann gleicht die Wilhelm-Busch-Straße in manchen Stunden einem Busbahnhof.

Ich habe hier die vergangenen Monate, wenn ich ab und zu vorbei kam, nie so viele Menschen gleichzeitig auf der Straße gesehen, wie gestern und heute: Männer mit kleinen Rucksäcken, Familien mit großen Taschen. Viele unterschiedliche Sprachen, viele unterschiedliche Augen. Manche offen, manche trüb. Viele Hallos, viele Tschüss. Menschen im Transit, hier und doch nicht ganz da. Unterwegs, irgendwo dazwischen, zwischen Flucht und Ankommen.

 

 

Die Wilhelm-Busch-Straße ist wirklich eine besondere Straße. Für mich, wie eine willkommen Phasenverschiebung und meiner Alltagsrealität. Wie der Eingang in eine andere Welt. Eine backsteinrote, betongraue und kleiderbunte internationale Welt, in der auf so engem Raum so viel Weltpolitik und -geschichte, Kultur und Geschehen zusammenkommt. Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern, die sich begegnen. Am Wegrand sitzend und wartend, manchmal fröhlich scheinend, manchmal  mit einem ausdruckslosen Blick, der einen Hauch von dem zu verraten scheint, was die Menschen erlebt haben. Manchmal quick lebendig, manchmal still und gelangweilt.

 

 

Auch diesen Morgen frage ich mich, was mich wohl heute erwartet. Mir ist immer noch etwas unwohl, wenn ich ankomme in diesem Paralleluniversum. Ich fühl‘ mich dann fremd und unbeholfen. Aber fremd sind hier wohl die meisten in der Erstaufnahme und doch alle Willkommen, also auch ich sag‘ ich mir immer. Wenn ich ankomme, schließe ich immer erst mein Fahrrad ab, an der gleichen Stelle am blauen Zaun. Mein Ritual, um Kontakt aufzunehmen. Einen Moment, um anzukommen und schon einmal vorsichtig zu schauen, wer da ist und andersherum gesehen zu werden. Kopfnicken und Hallos. Egal, ob wir uns schon kennen oder nicht. Dann ein Moment der Überwindung. In meinem Kopf: Was sie wohl von mir denken, ob sie sich vielleicht gestört fühlen von mir? Ein Gespräch anfangen, welche Sprache? Englisch? Französisch? Arabisch? Urdu? Welche Fragen? Nach dem Namen? Wie es geht? Woher sie kommen? Aber dann, wenn die ersten Fragen gestellt sind, stellt sich oft dieses angenehme Gefühl ein. Diese stille Euphorie, das Fremde und sich selbst zu überwinden. Die Freude bei uns beiden, grade nicht alleine zu sein und etwas Vertrautes zu tun. Eine Sprache zu benutzen und in offene Augen zu schauen. Dem Anderen zu begegnen. :)


Kurz darauf kommt auch schon der erste Bus. Kurz darauf der zweite. Es bilden sich Menschen trauben, Namen werden laut gerufen, von einer Liste abgelesen. „Mohammad Ali – Iraq … Salman Khan – Pakistan … Jihad Obid – Syria …“ Nach einer Stunde kehrt wieder Stille ein in die Erstaufnahme der Wilhelm-Busch-Straße. Die Busse sind gefahren, es wirkt komisch leer, nur noch vereinzelt Menschen an den Biertischgarnituren der Verpflegungsstation, die Menschen von der Securities, die sich die meiste Zeit um die Geflüchteten kümmern.