Ungewissheit über die eigene Zukunft als großes Problem

Die Lage von jungen und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Bayern gestaltet sich in vielen Bereichen weiterhin problematisch

 (v.l.n.r)

Patrick Held | Student  

Wüsala Ismailov | Schülerin

Hamsa Ahmed Mohamed | Schüler

Madeleine Nordhaus | Condrops e.V.

Dolores Longares Bäumle | Caritas Bayreuth


Diskussions- und Informationsabend am Mittwoch, 30. April 2014, um 18:30 Uhr
Evangelisches Bildungszentrum, Richard-Wagner-Straße, 95444 Bayreuth

 

Bayreuth, 01.05.2014. Wir veranstalteten am 30.04.2014 in den Räumen des evangelischen Bildungswerkes einen Diskussions- und Informationsabend zur Lage von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) in Deutschland, um die  insbesondere in Bayern bestehenden Probleme herauszustellen und explizit darauf hinzuweisen.

 

So diskutierten, unter der Moderation von Patrick Held, Wüsala Ismailov (18), die mit ihrer Familie vor vier Jahren aus Aserbaidschan nach Deutschland geflohen ist, Hamsa Ahmed Mohamed (17), unbegleiteter Flüchtling aus Somalia sowie Madeleine Nordhaus (Condrops e.V., Betreuerin in der Jugendhilfeeinrichtung für umF in Bayreuth) und Dolores Longares Bäumle (Caritas Bayreuth, Migrationsberatung).

 

Zur Situation: In Deutschland leben nach Schätzungen derzeit etwa 9000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, davon ca. 1100 unter 14 Jährige. Die oft von Krieg, Armut aber auch der Flucht traumatisierten Jugendlichen werden in Deutschland unmittelbar nach ihrer Einreise in Auffanglagern untergebracht, und im Folgenden Verfahren und Regulierungen unterworfen, die je nach Bundesland variieren. Die umF stehen im Spannungsfeld von Kinder- und Jugendhilferecht auf der einen und Aufenthalts- und Asylrecht auf der anderen Seite. Eine Situation, die nicht nur für die Jugendlichen selbst schwer durchschaubar ist.

 

„In der Bayernkaserne, wo ich zuerst untergebracht war, waren wir sieben Personen pro Zimmer, es war schmutzig und nachts gab es häufig Streit zwischen Bewohnern“, erzählt Ahmed von seiner Zeit in München. Eine Betreuung, die über Anweisungen „tu dies, tu das“ hinaus geht, gab es damals nicht. In Bayreuth gehe es ihm diesbezüglich zwar deutlich besser, doch manche Probleme bleiben z.B. wartet er mittlerweile seit einem Jahr und vier Monaten auf seine Asylanhörung.

 

Gerade diese Ungewissheit über die eigene Zukunft beschreibt Nordhaus als unglaublich großen Druck, dem die Jugendlichen kaum entkommen können und der ihren Alltag und die Integration in Deutschland erschwert. So gibt es in Bayreuth zwar eine „Flüchtlingsklasse“, „eine reguläre Schulintegration bleibt aufgrund verschiedener Schwierigkeiten jedoch eine rein theoretische Möglichkeit wodurch das Erlangen eines qualifizierten Schulabschluss faktisch nicht möglich ist.“

 

Das Hauptproblem sieht Nordhaus für die umF in Bayern im landesspezifischen Zwang einen Asylantrag zu stellen. In anderen Bundesländern werde durch angemessene Clearingverfahren der tatsächliche Hilfsbedarf der Jugendlichen ermittelt. Denn nicht für jeden Jugendlichen ist das langwierige Asylverfahren die bestmögliche Lösung. Longares Bäumle und Nordhaus fordern endlich, sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene einheitliche und vor allem an den Bedürfnissen der umF ausgerichtete Regelungen.

 

Ismailov, die, Schwierigkeiten zum Trotz, hart für ihre Ziele arbeitet und kurz vor ihrem Abitur steht, fühlt sich in Deutschland zu Hause. Sie möchte gern Polizistin werden. Ein lang gehegter Wunsch, der ihr verwehrt bleibt. Ohne deutschen Pass gibt man ihr nicht einmal die Chance auf ein Paktikum. Und als wären diese Restriktionen nicht bereits genug, muss ihre Familie jeden Monat erneut um ihre Aufenthaltsgenehmigung bangen.

 

Longares Bäumle findet trotz der an diesem Abend benannten vielzähligen Probleme ermutigende Worte für die Betroffenen und die Besucher der Veranstaltung. „Die Flüchtlingsarbeit ist und bleibt noch lange ein Thema. Aber man darf nicht vergessen: Gemeinsam kann man viel erreichen – auch in Bayreuth“.

 

In der Presse:
Der Tip : Wilkommenskultur für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

 

Zur weiteren Information:

Bundeszentrale für politische Bildung

Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge